Mein Klavierweg

Klavier üben mit Katze im Haus: Tipps für konzentriertes Spielen am Abend

Klavier üben am Abend mit Katze im Haushalt – Digitalpiano-Tipps für den Wiedereinstieg

Auf der einen Seite steht die stille Konzentration, die man fürs Klavierüben braucht. Auf der anderen liegt eine Katze, die genau diese Stille als persönliche Einladung versteht. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich mein Klavier-Wiedereinstieg jeden Abend, seit ich mir vor zwei Jahren ein Digitalpiano gegönnt habe – und mit der Zeit habe ich für den Katzen-Haushalt eine Abendroutine gefunden, die für beide funktioniert.

Die kurze Antwort: Es geht nicht darum, die Katze fernzuhalten, sondern ihre Anwesenheit so einzuplanen, dass sie die Konzentration nicht mehr kostet als nötig.

Konzentriert am Digitalpiano üben, wenn eine Katze mitregiert

Nach einem Tag in der Verlagsredaktion sind Schultern und Handgelenke oft steif, noch bevor ich die Kopfhörer aufsetze, deshalb lockere ich sie bewusst, bevor überhaupt der erste Ton fällt – sonst überträgt sich die Anspannung direkt auf den Anschlag. Meine Finger erinnern sich an Chopins Nocturne ungefähr so, wie man sich ans Fahrradfahren erinnert oder an die eigene Handschrift von vor zwanzig Jahren: Die Bewegung ist noch da, nur der Zugriff darauf hakt am Anfang. Im Heft von 1994 stehen unter manchen Takten noch verblasste Fingersatz-Ziffern von damals, mit Bleistift hingekritzelt und später wieder überschrieben, weil heute ein anderer Finger besser passt als früher.

Bruno, ein Kollege zwei Büros weiter im Lektorat, fragt regelmäßig nach dem Fortschritt und ist fest davon überzeugt, Klavierlernen sei eigentlich wie Programmieren – Wiederholungen, Fehlerbehebung, irgendwann läuft die Funktion. Ganz falsch liegt er damit nicht, nur bringt seine Analogie keine Katze mit ins Spiel, die während der Fehlerbehebung auf der Tastatur Platz nimmt.

Was tun, wenn die Katze mitten in der Tonleiter auf die Tasten springt?

Bei einer simplen C-Dur-Tonleiter, gedacht als Fingergymnastik vor dem eigentlichen Üben, hat sich meine Katze schon mehrfach genau auf das eingestrichene C gesetzt, während ich den Daumenuntersatz übte – aus dem sauberen Lauf wurde ein Cluster, der mit keiner Harmonielehre der Welt zu erklären war. Die Lösung war am Ende simpler als gedacht: Ich übe die Tonleiter jetzt bewusst langsamer, fast im Zeitlupentempo, was ohnehin dem alten Prinzip des langsamen Übens entspricht – und in diesem Tempo hat die Katze schlicht weniger Anreiz, auf eine sich schnell bewegende Hand zu springen.

Beide Hände unabhängig voneinander zu führen wird dadurch nicht leichter, wenn man nebenbei eine Pfote im Blick behalten muss, aber genau das trainiert nebenbei die Koordination der Hände, von der jeder Wiedereinsteiger irgendwann profitiert.

Altes Klaviernotenheft von 1994 mit Katzenpfote am Rand – Klavier-Wiedereinstieg im Katzenhaushalt

Stört das Klavierspiel die Katze, oder sucht sie einfach Nähe?

Sobald ich ein Arpeggio am Klavier übe, verwandelt sich meine Hand aus Sicht der Katze offenbar in Beute – jede sich bewegende Fingerreihe wirkt wie eine Maus, die gerade über die Tasten flüchtet. Ein härterer, lauterer Anschlag macht es schlimmer, ein weicherer Ton dagegen beruhigt sie meistens, was mir gezeigt hat, wie viel allein die Klangfarbe mit der Stimmung im Raum zu tun hat.

Auch beim Blattspiel merke ich das: Sobald ich den Blick vorausschicke, um im Lesefluss zu bleiben, reicht ein Sprung der Katze auf das Notenblatt, um diesen Fluss sofort zu unterbrechen – dagegen hilft nur, die Seite vorher schon zu kennen, statt sie erst beim Spielen zu entziffern. Kopfhörer dämpfen die Lautstärke für die Nachbarschaft, aber ich lasse meist ein Ohr frei, um zu hören, wenn sie hinter mir am Notenständer herumstromert.

Hände am Digitalpiano mit Kopfhörern, während die Katze aus der Ferne zusieht – Abendroutine beim Üben

Eine feste Abendroutine gibt beiden Ruhe

Seit ich nicht mehr planlos in alten Heften blättere, sondern einem klareren Programm folge, ist auch die Katze ruhiger geworden – sie merkt inzwischen den Unterschied zwischen 'jetzt wird konzentriert geübt' und 'jetzt ist Spielzeit'. Diesen Rahmen finde ich seit diesem Sommer in der RS-Piano-Akademie, weil das Format eher wie echter Unterricht wirkt als wie eine schnelle App, die man nebenbei wegklickt.

Wenn ich an einer Barockmusik-Einheit am Klavier arbeite, schläft die Katze bei den gleichmäßigen Linien meistens tatsächlich ein, während sie bei unruhigeren, moderneren Stücken eher wach und aufmerksam bleibt. Nebenbei hilft mir dabei auch eine grobe Orientierung am Quintenzirkel, wenn ich entscheide, welches Stück als Nächstes drankommt. Einen strukturierten 52-Wochen-Plan, wie ihn etwa Keyboard X anbietet, kenne ich aus dem Bekanntenkreis ebenfalls als Option, auch wenn ich selbst bei der Akademie geblieben bin.

Kopfhörer, Ablenkung und die Sache mit der ehrlichen Kritik

Bevor ich mich überhaupt hinsetze, bekommt die Katze eine kurze Runde mit der Angel, damit der Jagdtrieb schon einmal befriedigt ist – meine Finger enden danach spürbar seltener als vermeintliche Beute. Ein Kissen auf einem Regal neben dem Klavier gibt ihr außerdem einen erhöhten Platz, von dem aus sie zuschauen kann, ohne direkt auf den Tasten zu landen, auch wenn das nicht an jedem Abend zuverlässig klappt.

Beim Pedaltreten reagiert sie ebenfalls empfindlich auf einen zu abrupten Wechsel, weshalb ich inzwischen bewusster und weicher trete, statt es scharf durchzudrücken.

Ihre Ohren sind außerdem eine ziemlich ehrliche Kritik: Verliere ich bei einer Mozart-Sonate den Rhythmus oder verhaue ein Intervall komplett, zucken sie merklich – eine Reaktion, die mich nebenbei fürs Erkennen von Intervallen sensibler gemacht hat als jede App. Wenn sie den Raum verlässt, weiß ich genau, dass die Intonation heute nichts war.

Katze streckt sich über die Tasten des Digitalpianos – typische Szene beim Klavier üben mit Katze im Haus

Wann eine Übungseinheit einfach beendet werden sollte

Einmal saß mir eine Klavierlehrerin gegenüber und verordnete in der ersten Minute Tonleitern, ohne dass ich auch nur ein einziges Stück hätte spielen dürfen – diese eine Probestunde hat mir gezeigt, dass starre Vorgaben bei mir das Gegenteil von Fortschritt auslösen. Seitdem gestalte ich mein Üben lieber selbst, auch mit Katze als Störfaktor.

Manchmal besetzt sie die Bank so hartnäckig, dass an Spielen gar nicht zu denken ist – dann übe ich mental, stelle mir die Fingerfolge einer Passage nur im Kopf vor, ganz ohne Instrument, was überraschend viel bringt für den Moment, in dem die Tasten wieder frei sind. An besonders zerstückelten Abenden greife ich außerdem lieber zu einer kurzen Etüde als zu einem ganzen Repertoirestück, weil sich eine Etüde leichter unterbrechen und wieder aufnehmen lässt.

Neulich abends habe ich die ersten vier Takte einer Passage zweimal hintereinander sauber mit beiden Händen zusammen hinbekommen, während die Katze reglos danebenlag – für diesen kurzen Moment war es, als hätte die jahrzehntelange Pause dazwischen nie stattgefunden.

Erika aus meiner Musikrunde lobt selten, aber als ich ihr davon erzählte, meinte sie nur knapp, das klinge nach echtem Fortschritt – und bei ihr weiß ich, dass so ein Satz etwas wert ist.

Ob eine Einheit an dem Abend noch Sinn ergibt oder nicht, erkenne ich inzwischen an einem einfachen Kriterium: Sobald ich öfter auf die Katze reagiere als auf die Noten, ist es Zeit aufzuhören, statt trotzig weiterzuspielen und am Ende nur Frust mitzunehmen. Das fühlt sich manchmal wie ein Plateau an, ist aber meistens einfach nur ein schlechter Zeitpunkt gewesen.

Um zu prüfen, ob eine Passage trotz Unterbrechungen wirklich sitzt, habe ich mich auch schon selbst beim Spielen aufgenommen – in der Aufnahme hört man neben dem eigenen holprigen Spiel meistens auch ein rhythmisches Schnurren im Hintergrund, das die Bach-Invention beinahe übertönt.

Wer selbst nach Jahren wieder anfangen will, sollte sich von einem Haustier im Haushalt jedenfalls nicht abschrecken lassen – mit ein wenig Struktur wird aus der Katze eher ein Mitbewohner der Übungszeit als ein Gegner. Wenn du eine begleitete Struktur suchst, die über das Niveau einer schnellen App hinausgeht, wirf ruhig einen Blick auf die RS-Piano-Akademie – bei mir ist sie inzwischen fester Teil der Abendroutine geworden, Katze inklusive.

Verwandte Artikel