Mein Klavierweg

Arpeggios am Klavier üben für flüssigere Übergänge nach dem Wiedereinstieg

Arpeggios am Klavier üben für flüssigere Übergänge nach dem Wiedereinstieg – Hände beim Üben eines gebrochenen Akkords auf der Tastatur

Der Daumen hakt beim Arpeggio. Jedes Mal an derselben Stelle. Das ist kein Zufall, sondern ein klassisches Klaviertechnik-Problem, das offenbar sehr viele Wiedereinsteiger teilen.

Ein Hinweis vorab: In diesem Text verlinke ich Online-Kurse, die ich selbst für meinen Wiedereinstieg ausprobiere. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision – der Preis für dich ändert sich dadurch nicht.

Der Mythos vom bloßen Wiederholen

Der Mythos hält sich hartnäckig: Wer ein Arpeggio nur oft genug spielt, bekommt es irgendwann glatt. Genau das habe ich monatelang geglaubt. Ein Arpeggio – ein gebrochener Akkord, dessen Töne nacheinander statt gleichzeitig erklingen – wirkt auf dem Papier simpel. In der Praxis ist es die Stelle, an der viele Wiedereinsteiger hängen bleiben.

Vor einiger Zeit hat mir eine Bekannte aus einem Klavierforum für Wiedereinsteiger geschrieben – Rosemarie Völkner, die eigentlich viel lieber Filmmusik und Popklassiker spielt als Barock. Sie übte eine Filmmusik-Passage mit einem lang gezogenen Arpeggio und hatte es, ihren eigenen Worten nach, hundertmal durchgehämmert, ohne dass es flüssiger wurde.

Bei mir war es nicht anders. Ich hatte mir sogar einen Kanal für erwachsene Anfänger auf YouTube herausgesucht, in der Hoffnung auf Anleitung – nach drei Videos habe ich abgeschaltet, weil mir die Stimme des Lehrers zu sehr auf die Nerven ging. Zurück blieb ich mit derselben Frage: Warum wird es durch bloßes Wiederholen nicht besser?

Vergilbtes Klaviernotenheft von 1994 auf dem Notenständer, Symbolbild für den Klavier-Wiedereinstieg und neu erlernte Klaviertechnik

Warum glättet reines Wiederholen die Arpeggios nicht?

Wiederholung trainiert vor allem das, was ohnehin schon leidlich funktioniert. Die Stelle, an der der Daumen hakt, bleibt beim zehnten Durchlauf oft exakt so hakelig wie beim ersten – nur schneller falsch. Was fehlt, ist nicht Übung an sich, sondern eine Bewegung, die überhaupt trainiert werden kann.

Beide Hände lernen dabei unterschiedliche Dinge, und das lässt sich nicht überspringen, egal wie oft man das ganze Stück am Stück spielt. Neulich saß ich am Klavier und spielte die Arpeggiofolge nur mit der linken Hand – und zum ersten Mal dachte ich an keinen einzelnen Finger mehr. Die Bewegung lief einfach, ohne dass ich sie im Kopf durchbuchstabieren musste.

Die Anspannung sitzt dabei oft im Handgelenk, nicht im Finger – wer lockert statt drückt, verändert auch den Klang der einzelnen Töne im Arpeggio. Genau daran lässt sich hören, ob die Bewegung stimmt: Ein Arpeggio, das mit Druck gespielt wird, klingt hart, selbst wenn alle Töne richtig sind.

Der Daumenuntersatz braucht eine Vorbereitungsbewegung, keine Kraft

Was bei mir wirklich etwas verändert hat, war eine simple Umstellung: den Daumen nicht im letzten Moment unterzuschieben, sondern die Bewegung vorzubereiten, während die vorherigen Finger noch spielen. Langsam, fast in Zeitlupe, bis die Hand den neuen Weg kennt, bevor Tempo überhaupt eine Rolle spielt.

Detailaufnahme des Daumenuntersatzes beim Arpeggios üben auf den weißen Tasten – zentrale Klaviertechnik für flüssige Übergänge

Die Fingersätze bei Arpeggios folgen dabei ganz ähnlichen Mustern wie bei Tonleitern – wer die Logik einmal für eine Tonart verstanden hat, erkennt sie in den anderen leichter wieder, gerade weil die Tonarten im Quintenzirkel so regelmäßig aufeinander aufbauen.

Statt jede einzelne Note zu suchen, hilft es, die Intervalle zwischen den Tönen zu erkennen – der Sprung fühlt sich dann wie eine bekannte Distanz an, nicht wie ein Ratespiel.

Die alte Fingerfertigkeit kommt dabei erstaunlich zuverlässig zurück, ähnlich wie Schreibschrift nach Jahren am Bildschirm: Die Hand erinnert sich schneller, als der Kopf es für möglich hält, sobald man ihr die richtige Bewegung anbietet statt nur mehr Wiederholungen.

Manchmal übe ich diese Bewegung sogar ganz ohne Klavier – beim Spazieren durch den Palmengarten stelle ich mir die Handform vor, ohne eine einzige Taste zu berühren. Klingt seltsam, wirkt aber, wenn die Finger später wieder auf den Tasten liegen.

Arpeggios ins Stück einbauen, nicht isoliert pauken

Reine Fingerübungen wie Hanon oder Czerny bauen die Grundbewegung auf, aber sie ersetzen nicht das Spielen im echten Stück. Ein Arpeggio, das isoliert perfekt klingt, zerfällt trotzdem wieder, sobald es zwischen zwei Akkorden im tatsächlichen Notentext auftaucht – dort verändern sich Tempo, Dynamik und die Vorbereitung für die nächste Phrase gleichzeitig.

An diesem Punkt hängen viele Wiedereinsteiger fest und geben der Übung selbst die Schuld, dabei ist ein Plateau schlicht Teil des Prozesses – es verschwindet meist erst, wenn man die Übung in einen musikalischen Zusammenhang stellt, statt sie zum hundertsten Mal isoliert zu wiederholen.

Ein Arpeggio ist nichts anderes als der Akkord darunter, nur auseinandergezogen – wer die Harmonie kennt, auf der es aufbaut, sucht die einzelnen Töne nicht mehr einzeln, sondern hört, wohin die Bewegung will.

Beim Blattspiel merke ich das besonders: Ein Arpeggio als Akkord-Form zu erkennen, statt Note für Note zu entziffern, macht das Lesen spürbar schneller – der Blick springt über die ganze Figur statt über jeden einzelnen Notenkopf.

Das Pedal verwische ich manchmal, wenn ein Übergang noch nicht sitzt, aber sauber wird ein Arpeggio dadurch nicht – nur leiser danebengegriffen.

Was ein Online-Klavierkurs an dieser Stelle wirklich leistet

Diese Vorbereitungsbewegung habe ich mir nicht selbst ausgedacht – gefunden habe ich sie, weil ich angefangen habe, mit der RS-Piano-Akademie zu arbeiten. Für ernsthafte Wiedereinsteiger, die kein Metronom brauchen, sondern jemanden, der die Bewegung Schritt für Schritt zeigt, war das für mich der Unterschied zwischen Rätselraten und Struktur.

Einen Blick habe ich auch auf Keyboard X geworfen, weil der lange Wochenplan oft empfohlen wird. Für saubere klassische Übergänge hat mich am Ende aber der methodischere Ansatz der Akademie mehr überzeugt – mehr dazu auch in meinem Bericht über strukturierte Klavierübungen für Erwachsene.

Die eine Regel, die für jedes Arpeggio gilt

Wenn du nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese: Bevor du ein Arpeggio schneller spielst, spiel es langsam richtig – mit vorbereiteter Daumenbewegung, lockerem Handgelenk und einem Ohr für den Ton, nicht für das Tempo. Geschwindigkeit kommt von allein, sobald die Bewegung stimmt; sie kommt nie zuerst.

Der passende Fingersatz spielt dabei eine größere Rolle, als die meisten am Anfang glauben – wer sich dafür Zeit nimmt, spart sich später viele frustrierende Abende. Mehr dazu in meinem Artikel über Fingersatz am Klavier.

Wenn dich das Gleiche nervt wie mich: Ein strukturierter Ansatz wie die RS-Piano-Akademie nimmt dir zumindest das Rätselraten ab, welche Bewegung als nächstes drankommt.

Schlafende Katze auf der Klavierbank neben dem Digitalpiano – entspannte Kulisse beim täglichen Klavierüben im Wiedereinstieg

Die Katze hat sich davon nie beeindrucken lassen und schläft bei jedem Arpeggio gleich tief weiter, egal ob es hakt oder fließt. Vielleicht ist das die zweite Regel: Der eigene Anspruch darf ruhig kleiner sein als die eigene Geduld.

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