Mein Klavierweg

Motivation beim Klavierüben behalten mit Kursen der RS-Piano-Akademie im Alltag

Frau übt Klavier im Wohnzimmer – Motivation beim Klavierüben behalten mit Kursen der RS-Piano-Akademie im Alltag

Meine linke Hand hängt mitten im Takt fest, der rechte Zeigefinger ist schon einen Ton zu weit, und ich höre mich selbst laut „Nein, warte" sagen – als könnte das dem Klavier irgendetwas erklären. Genau in solchen Sekunden hält sich hartnäckig ein Mythos aus meinem Wiedereinstieg in die Musik: dass schwankende Motivation beim Klavierüben gleichbedeutend mit fehlender Disziplin ist, und dass nur tägliches, stures Dranbleiben echten Fortschritt bringt. Seit ich die Kurse der RS-Piano-Akademie in meinen Alltag eingebaut habe, weiß ich: Das stimmt so nicht.

Mimi hebt kurz den Kopf von der Klavierbank, verliert aber sofort wieder das Interesse.

Motivation beim Klavierüben ist keine Frage der Tagesdisziplin

Überall kursiert dieselbe Regel: zwanzig Minuten, jeden Tag, sonst zählt es nicht. Eine Weile habe ich das ernst genommen und mir dabei selbst den Spaß verdorben. Sobald das Üben zur reinen Pflicht wurde, wich die Vorfreude einer stillen Erschöpfung, noch bevor der Klavierdeckel überhaupt offen war.

Der Denkfehler liegt darin, Motivation mit Willenskraft zu verwechseln. Willenskraft lässt sich für einen Abend erzwingen, vielleicht zwei. Motivation dagegen braucht Raum, in dem sie zurückkehren kann – genau diesen Raum verweigert die Tägliche-Pflicht-Regel den meisten Wiedereinsteigerinnen.

Nahaufnahme von Händen auf Klaviertasten beim Klavier-Wiedereinstieg, im Hintergrund ein altes Notenheft.

Eine geplante Pause bringt mehr als eine erzwungene Übungseinheit

Mein Digitalpiano steht an der Nordwand meines Wohnzimmers in Gohlis, zwischen Bücherregal und Fensterrahmen. Auf dem Fensterbrett stapeln sich vergilbte Notenhefte aus den Neunzigern, und auf der Klavierbank liegt eine plattgesessene Wolldecke, die eigentlich Mimi gehört. Knipse ich abends die kleine Klemmlampe am Notenständer an, trifft nur ein schmaler Lichtstreifen die weißen Tasten – der Rest des Zimmers bleibt im Halbdunkel, was mir hilft, mich auf nichts anderes als die nächsten paar Takte zu konzentrieren.

Zwei, drei Tage ganz ohne Klavier klingen nach Rückschritt, sind es aber nicht. Die kognitive Sättigung nach einem vollen Tag im Lektorat muss erst abklingen, bevor überhaupt Platz für neue Muster entsteht. Wenn mir danach ist, gehe ich lieber am Schleußiger Weg entlang, am Elsterbecken vorbei, und lasse die Gedanken einfach laufen. Setze ich mich danach wieder an die kleine Bach-Invention, sitzen die Übergänge oft williger als vorher.

Nicht jede Unterbrechung muss ein Rückschlag sein. Wenn Mimi mitten in einem Übergang über die Tasten spaziert, ist das inzwischen eher Routine als Katastrophe – wie ich genau damit umgehe, habe ich in einem eigenen Text über Klavier üben mit Katze im Haus beschrieben.

Vorfreude ist der eigentliche Treibstoff, nicht Zwang. Klappe ich die Abdeckung wieder hoch, ist es ein „Ich darf" statt eines „Ich muss" – und genau dieser kleine Unterschied entscheidet, ob ich nach zehn Minuten aufgebe oder nach vierzig noch dranbleibe.

Die Pausen bringen wirklich etwas

Alte Sprachnotizen vom Übungshocker sind dabei meine ehrlichste Kontrolle, gerade in den Phasen, die sich flach anfühlen – der gefühlte Stillstand stimmt fast nie mit dem überein, was ich darauf tatsächlich höre.

Ein Nachmittag im Verlag hat mir das deutlicher gezeigt, als ich erwartet hätte. Eine Kollegin brauchte fremde Chornoten für ein Booklet gegengelesen und legte mir das Blatt kurz auf den Tisch – und ich erkannte die Töne auf Anhieb, ohne im Kopf die Linien einzeln abzuzählen, wie ich es früher immer tun musste.

Kein großes Gefühl dabei, nur die stille Feststellung: Das sitzt jetzt einfach.

Rosemarie Völkner, die ich aus einem Onlineforum für Klavier-Wiedereinsteigerinnen kenne, würde das vermutlich schlicht Mustererkennung nennen. Sie ist technisch schon ein ganzes Stück weiter als ich und schickt mir gelegentlich großzügig YouTube-Links zu Passagen, an denen sie selbst gerade sitzt, obwohl wir uns noch nie am selben Klavier gegenübergesessen haben. Genau dieser lockere Austausch nimmt der Motivation mehr Druck, als jeder starre Trainingsplan es könnte.

Equipment ist nicht die Antwort

Ausrüstung habe ich auch schon als Lösung versucht, bevor ich verstanden habe, dass das eigentliche Problem nie die Ausrüstung war. Im Keller stand noch ein alter MIDI-Controller aus einer früheren Phase meines Lebens, mit einem Tastenanschlag, der sich eher nach Bürotastatur als nach Klavier anfühlte. Nach einer Woche hatte ich ihn wieder im Karton verstaut – nicht weil mir die Disziplin fehlte, sondern weil das Gerät selbst jede Lust im Keim erstickte.

Genau da liegt der Unterschied zu dem, was die RS-Piano-Akademie in meinem Alltag anders macht. Es geht weniger um zusätzlichen Druck oder zusätzliches Material, sondern um kurze, klar abgegrenzte Einheiten, die sich auch nach einem langen Bürotag noch bewältigen lassen. Auf dem Weg zur Arbeit stelle ich mir inzwischen manchmal nur im Kopf vor, wie ein schwieriger Fingersatz ablaufen müsste, ganz ohne Taste unter den Fingern. Wer die konkreten Übungsinhalte genauer sehen möchte, findet mehr dazu in meinem Text über strukturierte Klavierübungen für Erwachsene.

Die Regel, die ich stattdessen befolge

Statt der Zwanzig-Minuten-Regel folge ich einer einfacheren: Ich setze mich nur dann hin, wenn mich die nächsten Takte tatsächlich neugierig machen, und fehlt diese Neugier, plane ich die Pause bewusst ein, statt mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Auch stehende Phasen sind dabei kein Beweis fehlender Motivation, sondern schlicht Teil des Prozesses. Das ist die eigentliche Korrektur an dem Mythos – nicht weniger Struktur, sondern Struktur an der richtigen Stelle, wie sie die Module der RS-Piano-Akademie inzwischen für mich übernehmen.

Meine alte Schulfreundin Irene Kossack hat neulich nur eine Augenbraue hochgezogen, als sie hörte, dass mein Klavier digital ist – für sie klingt das „nach Kaufhausklavier", hat sie trocken angemerkt, ganz pragmatisch wie immer.

Vielleicht hat sie sogar recht.

Manchmal fühlt sich mein Wiedereinstieg trotzdem an wie alte Handschrift, die nach Jahrzehnten ungelenk zurückkommt, sobald der Stift wieder in der Hand liegt. Klavier-Tagebuch hin oder her – am Ende zählt nicht, wie viele Tage in Folge ich geübt habe, sondern ob die Neugier auf die nächsten Takte noch da ist, wenn ich den Deckel öffne. Und die ist heute Abend definitiv da, auch wenn der Takt von vorhin noch nicht sitzt.

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